SPRACHENTWICKLUNGSSTÖRUNGEN IN EUROPA UND DARÜBER HINAUS VERSTEHEN

Förderung der sprachlichen Fähigkeiten von Kindern in Europa und darüber hinaus – eine Zusammenarbeit zu Interventionen bei Kindern mit Schwierigkeiten im Erwerb ihrer
Muttersprache

Ein Fragebogen für Praktiker/innen, entwickelt von den Mitgliedern der COST-Action IS1406


Liebe Kollegin, lieber Kollege,

Diese Umfrage wurde von Mitgliedern der COST Action IS1406 erstellt, um zu dokumentieren, wie Fachleute die Bedürfnisse von Kindern mit Sprachentwicklungsstörungen (SES) einschätzen und wie in ganz Europa auf diese Bedürfnisse eingegangen wird.

Die Umfrage sollte von Fachleuten ausgefüllt werden, die eine spezifische Verantwortung dafür tragen, die Intervention für Kinder mit Sprachentwicklungsstörungen durchzuführen oder zu organisieren.

Die Umfrage ist in vier Abschnitte unterteilt. Im ersten benötigen wir einige Informationen über Sie. Der zweite bezieht sich auf die praktische Umsetzung von Interventionen, der dritte beschäftigt sich mit theoretischen Überlegungen und im vierten geht es darum, wie sozio-kulturelle Aspekte den Umgang mit und die Versorgung von Kindern mit SES beeinflussen. Bitte beantworten Sie jede Frage. Wir gehen davon aus, dass die Beantwortung des Fragebogens nicht mehr als 30 Minuten in Anspruch nehmen wird.

Bitte bedenken Sie beim Ausfüllen des Fragebogens, dass es sehr wichtig ist, dass Sie die Fragen auf Basis Ihrer eigenen Erfahrung beantworten und dass es keine richtigen oder falschen Antworten gibt.

Die Analyse der Daten erfolgt vollständig anonymisiert. Die ethische Unbedenklichkeit dieser Umfrage wurde von der Ethikkommission der Universität Newcastle extern bestätigt (der Universität des Vorsitzenden des Managementkomitees). Wenn Sie Interesse an einem Nachweis dieses Prozesses haben, fragen Sie uns gerne.

Uns ist bewusst, dass Terminologie und Definitionen einen großen Einfluss haben und dass diese sich zwischen den einzelnen Ländern unterscheiden können. Daher fügen wir im Folgenden einige Definitionen an, um Ihnen den Fokus dieses Fragebogens aufzuzeigen. Auf diese Definitionen haben sich die Arbeitsgruppen zu Beginn der COST-Action geeinigt.

Herzlichen Dank für Ihre Mitarbeit beim Ausfüllen des Fragebogens!

Eine Zusammenfassung der Ergebnisse der Umfrage werden wir auf unserer Action-Website veröffentlichen http://research.ncl.ac.uk/costis1406/.





James Law (Großbritannien)
Vorsitzender des Managementkomitees der COST Action IS1406

Arbeitsgruppe 1
David Saldaña (Spanien)
Carol-Anne Murphy (Irland)

Arbeitsgruppe 2
Ellen Gerrits (Niederlande)
Cristina McKean (Großbritannien)

Arbeitsgruppe 3
Elín Þöll Þórðardóttir (Island)
Seyhun Topbaş (Türkei)

Für das deutsche und österreichische Team:
Naomi Buchmann, Christina Kauschke (Deutschland)
Melanie Dornstauder, Daniel Holzinger (Österreich)

Definitionen, auf die sich die Mitglieder des Managementkomitees der COST Action IS1406 beim ersten Treffen geeinigt haben

Was ist eine Sprachentwicklungsstörung?

Eine Sprachentwicklungsstörung (SES) liegt vor, wenn die sprachlichen Fähigkeiten eines Kindes oder Jugendlichen signifikant unter den durchschnittlichen Fähigkeiten in der gleichen Altersgruppe liegen. Eine SES wird gewöhnlich durch eine Kombination aus standardisierten Testverfahren, Beobachtungen der Spontansprache und klinischer Einschätzung diagnostiziert. Im Fokus der COST Action IS1406 stehen Kinder mit Schwierigkeiten beim Erwerb ihrer Erstsprache und insbesondere Kinder mit primärer Sprachentwicklungsstörung. Sprachentwicklungsstörungen entstehen nicht, weil ein Kind mehr als eine Sprache erwirbt. Auch bei einem zwei- oder mehrsprachigen Kind kann eine SES vorliegen, in solchen Fällen sind in der Regel dann beide Sprachen betroffen. Das Hauptaugenmerk der COST Action IS1406 liegt auf der gesprochenen Sprache und weniger auf alternativer oder unterstützter Kommunikation.
Üblicherweise wird zwischen primären und sekundären Sprachentwicklungsstörungen unterschieden. Bei einer primären (im Deutschen: umschriebenen) SES lassen sich keine organischen, kognitiven oder sonstigen Entwicklungsstörungen feststellen. Die SES kann zwar mit nichtsprachlichen Problemen (z.B. Verhaltensauffälligkeiten, vorübergehend eingeschränktes Hörvermögen o.ä.) einhergehen, diese bilden jedoch nicht die Ursache der SES. Eine sekundäre SES (SES mit Komorbiditäten) liegt dagegen vor, wenn die Sprachstörung mit manifesten Störungen in nichtsprachlichen Entwicklungsbereichen verbunden ist wie z.B. bei Zerebralparese, Autismus u.a.

Was verstehen wir unter Intervention?

Intervention für Kinder und Jugendliche mit einer SES umfasst sowohl Therapieansätze, die darauf abzielen, die Sprachentwicklung zu unterstützen und voranzubringen als auch Bemühungen zur Beseitigung von Hindernissen in der Teilhabe der betroffenen Kinder und Jugendlichen am sozialen Leben. Eine Beurteilung der Therapieindikation beruht auf standardisierten Testverfahren (sofern verfügbar), Beobachtungen des Sprach- und Kommunikationsverhaltens und der klinischen Einschätzung. Interventionen sind in der Regel zeitlich begrenzt. Sie beginnen mit einer Eingangsdiagnostik, um die Therapieindikation festzustellen und enden mit einer Abschlussdiagnostik, um den Erfolg der Intervention zu überprüfen.Interventionen für Kinder mit SES können von Fachkräften verschiedener Disziplinen angeboten werden, wobei üblicherweise Sprachspezialisten eingebunden sind. Wer diese Spezialisten sind, variiert von Land zu Land, es können Sprachtherapeut/innen, Logopäd/innen, Klinische Linguist/innen, Sprachheillehrer/innen, Psycholog/innen oder andere sein. Die Intervention kann entweder direkt durch die Spezialisten durchgeführt werden oder durch Bezugspersonen wie Eltern oder Lehrkräfte. Solche Interventionen können unter verschiedenen Rahmenbedingungen stattfinden, zum Beispiel zu Hause, in Einrichtungen der Gesundheitsvorsorge, in Frühförderstellen, in der Schule oder in privaten Praxen.

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